Das verflixte erste Jahr war gar nicht so schlimm …

… wie das, was danach kam.

Vielleicht ist mein Hund aber auch einfach ein Spätzünder. Während des unter Hundebesitzern oft so verfluchten ersten Hundejahres hatte ich es jedenfalls undenkbar leicht mit meinem (fast immer) engelsgleich lieben Beethoven. Angefangen Blödsinn zu machen hat er erst kurz vor Ablauf seines ersten Lebensjahres, wobei seine Zerstörungswut im Regelfall immer gleiche Gegenstände trifft. So habe ich mir beispielsweise soeben mein viertes schnurrloses Telefon gekauft, nachdem die drei davor, in etliche Splitter zerteilt, das zeitliche gesegnet haben.

Natürlich ist auch Beethoven in der letzten Zeit deutlich ruhiger, erwachsener und in manchlerlei Hinsicht auch bedachter geworden. Einfacher wird das Leben mit ihm deshalb nicht. Im Gegenteil, mit kühlem Kalkül plant er seinen nächsten Anschlag auf mein Nervenkostüm und rottet dabei gezielt aus, was mich von einer Beschäftigung mit ihm abhalten könnte. Das Telefon ist nur ein Beispiel dafür. Weitere Gegenstände, die fest auf seiner persönlich Abschussliste zu stehen scheinen, sind: Badutensilien (verbringe ich wirklich so viel Zeit im Bad?), Stifte (seit er den Zusammenhang „Einkaufzettelschreiben“ und „allein gelassen werden“ begriffen hat) sowie hochhackige Schuhe (die ziehe ich meist nicht zum Hundespaziergang an). Diese Gegenstände dürfen keinesfalls herumliegen, wenn ich meine Wohnung verlasse. Andernfalls sind sie bei Rückkehr garantiert zerlegt. Andererseits würde es ihm niemals einfallen, meinen Wanderschuhen auch nur einen Kratzer beizubringen, wenngleich er diese in meiner Abwesenheit mit Vorliebe als Spielzeug nutzt.

Fast in den Wahnsinn getrieben hat er mich aber erst kürzlich, als ich einen wirklich wichtigen Termin in der Woche um 17 Uhr hatte. Im Klartext: Gleich nach der Arbeit. Natürlich hatte ich ein schlechtes Gewissen, wie immer, schließlich ist mein armer Hund den halben Tag – in der Regel engelsgleich lieb – allein Zuhause. Ich bin extra früher von der Arbeit gegangen, so dass ich zumindest 20 Minuten mit ihm rausgehen konnte, bevor ich wieder losmusste.
Mit dieser Eile war mein Hund nicht ganz einverstanden, zumal ihm der Geruch von Hast und schlechtem Gewissen selbstverständlich nicht entgeht. Er verweigerte den Entschädigungsknochen, den er immer zum Abschied bekommt, auch nur entgegenzunehmen, was für mich stets ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass ich mich warm anziehen muss. Still malte ich mir schon das Schreckensszenario aus, wie meine Wohnung wohl nach einer halbstündigen Abwesenheit aussehen möge.

Doch es kam noch schlimmer.

Kaum hatte ich die Wohnungstür verschlossen, die Windfangtür hinter mir zugezogen und die Treppe erreicht, dröhnte ein ohrenbetäubender Lärm durch das ganze Haus. Beethoven übertraf meine wildesten Vorstellungen wie laut ein Hund zu heulen imstande sein könnte, bei weitem. Dieser Klagesschrei ging mir durch Mark und Bein. Ich hatte es eilig, war schon spät dran. Ich wartete. Ich hoffte, er würde nach ein paar Heulern Ruhe geben. Tat er aber nicht. Ich rannte zurück in die Wohnung, schimpfte, vermutlich nicht sehr überzeugend, mein schlechtes Gewissen, ihr wisst ja.
Für einen Moment war Beethoven still. Viel weiter kam ich aber auch diesmal nicht. Nur gerade soweit, dass ich mit Gewissheit sagen kann, dass auch meterstarke, schwere Altbau-Vollziegel-Mauern die Stimme eines Beagles, der sein Frauchen aufhalten will, nicht kompensieren können. Endlich weiß ich, wie Wölfe es bewerkstelligen, über Kilometer weite Entfernungen zu kommunizieren – mit ihrem guten Gehör hat das jedenfals nichts zu tun. Die Frage meiner Nachbarn, ob der Hund denn überhaupt bellen könne, sollte damit beantwortet sein.

Über Natascha 91 Artikel
Natascha führt freiberuflich ihr kleines Ingenieurbüro mit Schwerpunkt Energieberatung und Schimmelpilzschäden in Isernhagen - Altwarmbüchen (Region Hannover). Dank der selbständigen Tätigkeit vom heimischen Arbeitszimmer aus bleibt immer viel Zeit für die Beagles Beethoven und Indira, die nach der großen Morgenrunde durch das Altwarmbüchener Moor meist friedlich unter dem Schreibtisch schlafen.

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