10 Märchen über Zecken, die sich hartnäckig halten

Zecke, gemeiner Holzbock
Zecke, gemeiner Holzbock

Märchen 1: Zecken fallen von Büschen und Bäumen

Zecken sind keine Baumbewohner und auch in Büschen krabbeln sie kaum über 1,20 m Höhe. Am liebsten warten sie im hohen Gras oder im Wegrandbewuchs. Wer sich die Zeit nimmt, genau hinzusehen, kann sie mit ausgestreckten „Fühlern“ auf den Spitzen langer Grashalme sitzend entdecken. Streift ein Tier oder Mensch daran vorbei, wechselt die Zecke ihren Platz.

Märchen 2: Einfach aushungern lassen, ersaufen, einfrieren …

Zecken sind wahre Überlebenskünstler. Nachdem sie sich an einem Wirt vollgesogen haben, halten sie gut zwei Jahre ohne Nahrung aus. Auch gegen Frost sind sie relativ unempfindlich, weshalb sie uns jedes Jahr wieder erfreuen. Sogar einen Waschgang bei 30-40° C in der Waschmaschine übersteht ein Großteil der Zecken unbeschadet.

Märchen 3: Zecken können uns nichts anhaben dank Impfung und/oder Spot-ons

Schön wäre es ja: Ein kleiner Piks und alle Sorgen sind erledigt. Leider decken gängige Impfungen weder alle von Zecken  übertragbare Krankheiten ab noch schützen die gängigen FSME-Impfungen (FSME = Frühsommer-Meningoenzephalitis) keineswegs gegen alle Keimstämme dieser Krankheit. So kann ein in den USA hergestellter Impfstoff gegen die Erreger hier in Deutschland wirkungslos sein. Andere Krankheiten werden nicht durch die Impfung abgedeckt und sie verhindert auch keine Zeckenbisse.

Ein weiterer gut gepflegter Irrglaube ist, dass Spot-ons wie Frontline, Advantix und Co sicher helfen. Es handelt sich um Giftstoffe, die der Hund nach dem Auftragen im Nacken aufnimmt. Diese verteilen sich in der Blutbahn und werden folglich von der Zecke aufgenommen, wenn diese sich daran bedient. Die Zecke verendet daraufhin und bleibt zunächst tot in der Haut hängen, bis sie früher oder später abfällt, aufgrund entzündlichen Juckreizes vom Hund selbst oder seinem Halter entfernt wird. Gebissen wird der Hund trotzdem, so dass eine Übertragung von Krankheiten von der Zecke auf den Hund trotz allem nicht ausgeschlossen ist.

Bitte nicht falsch verstehen – ich möchte diese Mittel weder pauschal verteufeln oder abwerten. Da sie jedoch mitunter erhebliche Nebenwirkungen, dafür aber keine abschreckende Wirkung auf die Zecken haben, sollten Nutzen und Nachteile vor jeder Anwendung gut gegeneinander abgewogen werden. Keinesfalls sind diese Mittel ein Ersatz für eine präventive Zeckenabwehr.

Märchen 4: Besser später als nur halb entfernen

Zecke
Zecke, halb vollgesogen

Aus Angst, etwas falsch zu machen oder womöglich beim Entfernen der Zecke den Kopf in der Haut stecken zu lassen, wird dieser Mini-Eingriff von vielen Menschen vertagt. Auf die Rückkehr nach Hause, weil nur dort eine Zeckenzange zur Hand ist, oder auf einen Tierarztbesuch, weil man sich selbst nicht traut. Fakt ist, dass zum Beispiel Borreliose zeitverzögert übertragen wird. Es macht daher einen Unterschied, ob ich eine festgesogene Zecke sofort oder später entferne. Studien belegen, dass sich die Wahrscheinlichkeit der Infektion erheblich reduzieren lässt, wenn Zecken schnellstmöglich entfernt werden. Dies gilt sogar für missglückte Entfernungsversuche, bei denen der Kopf stecken bleibt.
Deshalb: Zecken immer gleich entfernen. Dabei ist es nicht entscheidend, ob man nun eine Zeckenzange, Pinzette, Zeckenkarte oder einfach die Fingernägel nimmt. Wenn die Zecke hinterher vollständig raus ist, hat man nichts falsch gemacht, und wenn nicht, ist das zumindest kein Weltuntergang.

Märchen 5: Aus dem Kopf wächst eine neue Zecke nach

Aus einem steckengebliebenen Kopf wächst selbstverständlich keine neue Zecke nach! Der Kopf stirbt ab, es kommt zu einer üblicherweise kleinen lokalen Entzündung der Haut bis dieser Fremdkörper abgestoßen wird.

Märchen 6: Seife, Öl oder langes Baden vertreiben Zecken

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, festgesogene Zecken würden loslassen, wenn man sie mit Seife oder Öl behandelt oder lange unter Wasser taucht.

Jeder, der das mal ausprobiert hat, weiß: Die Biester lassen nicht los! Gegenteilig kursiert die Meinung, dass das die Zecke so in Stress bringt, dass sie quasi „erbricht“ und ihre Speicheldrüsen in den Wirt entleert. Was da dran ist, wage ich nicht zu beurteilen. Fakt ist: jegliche Erstickungs- und Wegekelmanöver dieser Art sind nicht zielführend.

Märchen 7: Das Mittel zur ultimativen Abwehr ist …

Es gibt verschiedenste Mittel gegen Zecken. Darunter giftige, abschreckende, natürliche, synthetische, stinkende, leckere, eklige, teure, günstige, solche zum Auftragen und solche als mehr oder weniger beliebte Futterbeigabe … Die Mittel wirken unterschiedlich gut und zum Teil bei jedem Individuum anders und auch von Jahr zu Jahr unterschiedlich. So wirkt das eine Mittel beim einen Hund super aber beim anderen Hund gar nicht. Oder das „Zaubermittel“ vom letzten Jahr beeindruckt die Zecken im nächsten Jahr oder in einer anderen Gegend gar nicht.

Wichtig: Viele Mittel sind keinesfalls harmlos; das gilt auch für natürliche Zaubermittelchen wie Schwarzkümmelöl und Co.

Mein Lieblingsmittel derzeit ist Kokosöl. Die Hunde lieben es, die Mücken finden es zumindest unangenehm und die Zecken scheinen es gar nicht zu mögen. Trotzdem suche ich die Hunde mehrmals täglich nach Ungeziefer ab.

Märchen 8: Zecken müssen rausgedreht werden

Wie oben schon angedeutet, gibt es kein Pflichtprogramm bei der Entfernung der Zecken. Das „Wie“ ist wenig entscheidend. Sie haben kein Gewinde. Natürlich kann man sie auch einfach raus ziehen.
Fast unmöglich ist die vollständige Entfernung der Zecke aus einer ruckartigen Bewegung heraus. Das Drehen bietet sich daher an und ist mit einer Zeckenzange besonders einfach. Hierbei löst sich ein Zeckenbeinchen nach dem anderen aus der Haut, bis sich auch der Kopf nicht mehr halten kann.
Beim Entfernen mit den Fingernägeln ist das Drehen schwieriger, weshalb sich hier das vorsichtige Ziehen anbietet. Mit der Zeckenkarte ist nur ziehen möglich.

Märchen 9: Ab ins Klo und weg damit

Zecken können sogar unter Wasser lange durchhalten, siehe Bemerkung oben zum Verhalten der Zecke in der Waschmaschine. Entsprechend würde ich mich keinesfalls darauf verlassen, dass die Zecke nicht wieder hochgekrabbelt kommt.

Märchen 10: Zecken sind bei uns kein Problem. Mein Hund hat nie welche…

Immer wenn ich diesen Satz höre, muss ich aufpassen, dass ich nicht so breit grinse, dass mein gegenüber sich verletzt fühlt.

Das ist Blödsinn!

Natürlich gibt es Zeiten, Wetterlagen und Gegenden, in denen es mal mehr oder weniger viele Zecken gibt. Und natürlich werden manche Hunde eher befallen als andere.

Zum Beispiel sammelt man bei uns unmittelbar nach einem starken Regenguss viel weniger Zecken ein als sonst, weil die lieben Viecher dann doch mal von ihren Grashalmen fallen. Vom Boden aus ist es für sie viel schwerer, auf die Hunde umzusteigen, so dass sie erst einmal wieder hochkrabbeln müssen. Hunde, die gerne durch hohes Gras stromern haben in der Regel mehr Zecken, als solche, die die meiste Zeit gemütlich mittig auf einem gepflegten, glatten Weg hinter ihrem Herrn hertrotten.

Tatsächlich höre ich solche Sätze meist von Menschen mit Hunden, die langes oder dunkles Fell haben oder sich nicht gerne anfassen lassen oder eben von Menschen, die selbst nicht mehr gut sehen und sich ungern bücken, um ihren Hund zu streicheln. Oder von Pferdebesitzern, die gar nicht erst nach Zecken suchen. Hier braucht es meist nur einen kurzen Strich über die Brustpartie, um mindestens eine Zecke zu finden.

 

Jetzt seid ihr dran – Wie handhabt ihr das mit den Zecken und was ist euer Wundermittel gegen die lästigen Biester? Welche Märchen kursieren in deiner Gegend? Wenn du einen Tipp oder eine Anregung hast, hinterlasse unten einen Kommentar.

 

Über Natascha 91 Artikel
Natascha führt freiberuflich ihr kleines Ingenieurbüro mit Schwerpunkt Energieberatung und Schimmelpilzschäden in Isernhagen - Altwarmbüchen (Region Hannover). Dank der selbständigen Tätigkeit vom heimischen Arbeitszimmer aus bleibt immer viel Zeit für die Beagles Beethoven und Indira, die nach der großen Morgenrunde durch das Altwarmbüchener Moor meist friedlich unter dem Schreibtisch schlafen.

2 Kommentare zu 10 Märchen über Zecken, die sich hartnäckig halten

  1. Hallo,

    ich hab mit Schwarzkümmelöl bisher sehr gute Erfahrungen machen können.

    Habe solche Kapseln in den letzten beiden Monaten in Form einer Kur eingenommen gegen meinen Heuschnupfen. Das mache ich jetzt im 3. Jahr hintereinander und die letzten beiden Jahre hatte ich deutlich weniger Beschwerden!

    Solltet ihr mal probieren, wenn ihr Allergiker seid 🙂

  2. Besten Dank für euren hilfreichen Artikel.

    Ich habe euren Blog schon länger als Feed abonniert. Und heute musste
    mich mal zu Wort melden bzw. mich mal bedanken.

    Macht genauso weiter, freue mich schon auf die nächsten Artikel

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*