Hauptsache, Beagle ist gesund

Aber manchmal frage ich mich doch, ob bei meinem Beagle und mir alles noch alles ganz normal ist. Heute komme ich, wie jeden Tag, in der Mittagspause nach Hause, um mit meinem liebsten Beagle eine Runde an die frische Luft zu gehen. Ich schließe die Wohnungstür auf. Es folgt, wie üblich, eine freudige, diesmal nicht ganz so stürmische Begrüßung. Mein Hund hat neuerdings entdeckt, dass es doch ganz cool ist, mir ein Spielzeug zu bringen, wenn ich nach Hause komme, das ich dann werfe und die so gewonnenen Sekunden nutze, um mir bequemere Schuhe anzuziehen.
Auch diesmal zischt mein Hund ab ins Wohnzimmer. Doch er bringt kein Spielzeug. In der Schnautze trägt er meinen roten Schal, den ich meist zum Hundespaziergang anziehe, wenn es morgens noch kalt, ist. Dabei ist er sehr bemüht, den Schal so zusammenzuknüllen und zwischen die Zähne zu kriegen, dass das lange Stück Stoff nicht über den Boden schleift. Gut hat er aufgepasst, was sich gehört, mein Hund.
Die Frage, wie ein Schal, der beim Verlassen der Wohnung noch oberhalb meiner eigenen Kopfhöhe an eine Garderobe hing, in das Wohnzimmer und in die Schnauze meine Hundes gelangen konnte, stellt sich mir schon gar nicht mehr. Ihr müsst wissen, in meiner Wohnung geschehen äußerst misteriöse Dinge, wenn ich nicht da bin.

Ich nehme also meinen Schal, den mein Hund mir auffordernd hinhällt, ruhig und irgendwie gar nicht überrascht in Empfang (nicht ohne noch einmal klar stellen zu müssen, dass ich meinen Schal nicht für ein geeignetes Tau zum Wettzerren halte). Beethoven tröstet sich wie immer schnell über diesen herben Verlust hinweg und zischt ins Schlafzimmer. In der Erwartung, dass er mir jetzt ein Spielzeug bringt, schaue ich ihm nach. Aber er bringt auch diesmal keinen Stoffdino, sondern meine Schuhe! Irgendwie sah mein Flur tatsächlich sehr aufgeräumt aus, als ich nach Hause kam (und nein, ich stelle meine Schuhe nie ins Schlafzimmer)… Nun doch ein wenig erstaunt nehme ich einen Schuh nach dem anderen dankend entgegen und kann gerade noch verhindern, dass er nun wieder ins Wohnzimmer rast – meine Mittagspause dauert ja leider nicht ewig.

Im Wohnzimmer finde ich später meine Hundewiese-Schmuddelhose, die ich in der Eile am Morgen auf dem Schlafzimmerboden habe liegen lassen – genau wie der Schal und die Schuhe gänzlich unversehrt. Jetzt frage ich mich die ganze Zeit, ob er mir die Hose wohl auch noch bringen wollte. Und: Ist mein Beagle noch normal??

Manchmal ist er doch mehr Mensch als Hund. Und manchmal erinnert er mich richtig an Kim Lange aus “Mieses Karma” von David Safier.

Über Natascha 92 Artikel
Natascha führt freiberuflich ihr kleines Ingenieurbüro mit Schwerpunkt Energieberatung und Schimmelpilzschäden in Isernhagen - Altwarmbüchen (Region Hannover). Dank der selbständigen Tätigkeit vom heimischen Arbeitszimmer aus bleibt immer viel Zeit für die Beagles Beethoven und Indira, die nach der großen Morgenrunde durch das Altwarmbüchener Moor meist friedlich unter dem Schreibtisch schlafen.

2 Kommentare zu Hauptsache, Beagle ist gesund

  1. Gegenfrage: Was ist ein “normaler” Beagle?
    Beethoven ist einfach nur toll und sehr besorgt um dich!
    Eben ein ganz aufmerksamer und höflicher Gentleman.
    Wann sonst hat Frau schon mal so einen besorgten Begleiter, der einem alles bringt?!
    Knuddel ihn ganz doll von uns!

  2. Fakt ist, er ist einmalig – wie jedes Geschöpf auf dieser Welt und für mich was ganz Besonderes. Genau genommen, ist er das Beste, was mir passieren konnte.
    Aber manchmal ist es mir fast unheimlich, wie gut wir uns verstehen und wie sehr er darauf bedacht ist, meine Gewohnheiten auswendig zu lernen.
    Wenn ich vergesse, in den Briefkasten zu gucken, erinnert er mich daran. Wenn ich morgens im Bad länger brauche, drängelt er, damit ich pünktlich loskomme, während er mich am Wochenende gemütlich ausschlafen lässt.

    Als ich vor etwa zwei Wochen nach der Arbeit nach Hause kam und gleich mit Beethoven losstapfen wollte, waren meine Laufschuhe verschwunden. Ich ahnte schon fürchterliches, bereitete mich darauf vor, meine einzigen bequemen Schuhe zerfetzt in irgendeiner Ecke zu finden.
    Ich fand sie schließlich im Schlafzimmer. Völlig unversehrt standen sie hübsch brav nebeneinander auf dem Teppich. Für einen Moment versuchte ich mich tatsächlich krampfhaft daran zu erinnern, wann ich sie dahin gestellt haben könnte (ich packe meine Schuhe wie gesagt nie ins Schlafzimmer), bis mir dann die fest zu gezurrten Schnürsenkel auffielen. Das konnte ich nun wirklich nich gewesen sein!
    Wenn ich also irgendwann in ein Irrenheim eingeliefert werden sollte, weiß ich, dass mein Beagle schuld daran ist 😛

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